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Thomas Nautsch // 04.12.2025

DIN EN 1090 im Detail: Warum dieses Zertifikat über den Wert und die Legalität Ihrer Immobilie entscheidet

In diesem Artikel erfahren Sie, warum das Zertifikat Ihre wichtigste Versicherung gegen Haftungsfallen und Wertverlust ist.

DIN EN 1090 im Detail: Warum dieses Zertifikat über den Wert und die Legalität Ihrer Immobilie entscheidet

Die DIN EN 1090 – Warum sie für Bauherren so entscheidend ist

Die DIN EN 1090 ist weit mehr als eine technische Richtlinie für Schweißer. Sie ist das europäische Gesetz für Standsicherheit. In diesem Leitfaden erfahren Sie, was hinter der Norm steckt, warum der „Dorfschmied ohne Papiere“ ein unkalkulierbares Risiko darstellt und wie die Zertifizierung Sie als Bauherrn juristisch und finanziell absichert.

Inhalt:

  1. Definition: Was bedeutet DIN EN 1090?

  2. Die WPK: Qualität ist kein Zufall

  3. Die 4 Ausführungsklassen (EXC 1–4)

  4. Die Rechtslage: BauPVO und Haftung

  5. CE-Kennzeichen & Leistungserklärung (DoP)

  6. Fazit & Checkliste


1. Definition: Was bedeutet DIN EN 1090 konkret?

Bis 2014 galt in Deutschland die nationale Norm DIN 18800. Diese wurde durch die europäische Normenreihe DIN EN 1090 ersetzt, um einen einheitlichen Sicherheitsstandard für tragende Stahl- und Aluminiumkonstruktionen im gesamten EU-Raum zu schaffen.

Sobald ein Bauteil eine tragende Funktion hat – z. B. ein Balkon, eine Treppe, ein Hallendach oder ein schweres Vordach – fällt es unter diese Norm.

Unterschied zum „normalen“ Handwerk

Ein typischer Handwerksbetrieb schuldet ein mängelfreies Werk.
Ein Stahlbaubetrieb hingegen muss nachweisen, dass sein kompletter Fertigungsprozess überwacht wird. Ohne gültige Zertifizierung darf er tragende Bauteile rechtlich nicht verkaufen.


2. Die Werkseigene Produktionskontrolle (WPK)

Zertifizierte Betriebe arbeiten oft teurer – und das hat Gründe. Die WPK ist ein umfassendes Qualitätsmanagementsystem, das durch externe Prüfstellen wie TÜV oder DVS ZERT regelmäßig kontrolliert wird.

Was bedeutet WPK konkret?

  1. Geprüftes Personal – Nur Schweißer mit gültigen Prüfbescheinigungen dürfen schweißen.

  2. Schweißaufsicht – Ein Fachmann plant Nahtfolgen, kontrolliert Arbeiten und verhindert Verzug.

  3. Material-Rückverfolgbarkeit – Jedes Stück Stahl muss dokumentierbar sein (Zeugnis 3.1).

  4. Geprüfte Maschinen – Schweißgeräte müssen kalibriert werden, um korrekte Parameter zu garantieren.


3. Die 4 Ausführungsklassen (EXC)

Die EN 1090 arbeitet risikobasiert. Je höher das Risiko, desto höher die Anforderungen.

EXC 1 – Privatbereich (ruhende Lasten)

  • Geländer und Treppen in Ein- und Zweifamilienhäusern

  • Wintergärten (bis 2 Geschosse)

  • Carports und landwirtschaftliche Gebäude

EXC 2 – Standard im Hochbau

  • Gewerbebauten

  • Treppen in Mehrfamilienhäusern (Fluchtwege)

  • Öffentliche Gebäude wie Schulen oder Büros

  • Tragwerke bis S700

EXC 3 – Große Bauwerke und dynamische Lasten

  • Brücken

  • Kranbahnen

  • Stadien und Türme

(EXC 4 betrifft Sonderfälle wie Großkraftwerke und ist extrem selten.)

Wichtig: Ein Betrieb mit EXC 1 darf keine EXC-2-Bauteile fertigen!


4. Die Rechtslage: BauPVO & Haftung

Die DIN EN 1090 ist über die EU-Bauproduktenverordnung 305/2011 gesetzlich verankert.
Ein Bauteil ohne CE-Kennzeichnung gilt als illegales Bauprodukt.

Risiko der „fiktiven Abnahme“

Wenn Sie ein Bauteil ohne CE-Kennzeichen akzeptieren, übernehmen Sie automatisch die Verantwortung. Im Schadensfall prüft der Staatsanwalt als Erstes, ob alle technischen Regeln eingehalten wurden.

Fehlt das Zertifikat, kann dies als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden – Versicherungen dürfen dann die Schadensregulierung verweigern. Es droht Haftung mit Privatvermögen.

Möglichkeiten der Bauaufsicht

  • Baustopp

  • Rückbau / Abriss

  • Verweigerung der Nutzungsfreigabe


5. CE-Kennzeichnung & Leistungserklärung (DoP)

Am Ende des Projekts müssen zwei wichtige Dokumente übergeben werden:

1. CE-Kennzeichnung

Der „Reisepass“ des Bauteils. Enthält:

  • Hersteller

  • Zertifikatsnummer

  • Nummer der notifizierten Stelle

  • Norm (EN 1090-1)

  • Ausführungsklasse

2. Leistungserklärung (DoP)

Der Hersteller bestätigt rechtsverbindlich die Eigenschaften des Bauteils.
Ohne DoP gilt das Bauteil rechtlich als nicht funktionstüchtig.


6. Fazit: Qualität ist die beste Versicherung

Die DIN EN 1090 schützt Verbraucher vor Dumping-Anbietern, mangelhaftem Stahl und unqualifizierten Schweißern. Sie verhindert strukturelle Risiken und sichert Bauherren rechtlich ab.

Checkliste für Bauherren

  • Zertifikat zeigen lassen: Schon beim Erstgespräch prüfen.

  • Scope (EXC) prüfen: Passt die Klasse zum Bauvorhaben?

  • Schriftlich festhalten: „Ausführung gemäß DIN EN 1090 inkl. CE & DoP.“

  • Keine Zahlung ohne Unterlagen: Dokumentation erst bei Schlussrechnung übergeben.